Alternativen zu Antidepressiva

Alternativen zu Antidepressiva 10.08.2018

Fachtagung: Nach der Premiere 2017 laden die VHS und der Verein „Die Klinke“ wieder ein. Andere Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen sollen aufgezeigt werden

Welche Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen gibt es noch, wenn man auf den Einsatz von Antidepressiva verzichten will? Dieser Frage wird auf einer Fachtagung nachgegangen, die von der Volkshochschule im Kreis Herford in Kooperation mit dem Verein „Die Klinke" organisiert wird, der sich um psychisch Kranke im Kreis kümmert.

„Diese Fachtagung ist die logische Fortführung der ersten, die wir im vergangenen Jahr veranstaltet haben", sagt Dr. Wolf Müller, ehemaliger psychiatrischer Chefarzt am Klinikum Herford und Vorstandsmitglied des Vereins „Die Klinke". „Zukunft der Antidepressiva in der Behandlung von Depressionen" war das Thema der Tagungs-Premiere im Marta-Forum gewesen. „Aufgrund von starken Nebenwirkungen, die diese Psychopharmaka häufig haben und der Tatsache, dass sie oft nur geringfügig helfen, haben wir viele Argumente gegen eine Medikation mit Antidepressiva gefunden", sagt Müller. Nun bestehe die logische Fortführung darin, alternative Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

„Wege aus der Depression: Antidepressiva absetzen?!" ist deshalb der Titel der zweiten Fachtagung, die am Donnerstag, 6. September, in der Aula der Volkshochschule, Münsterkirchplatz 1, stattfindet. „Wir wollen einen anderen Blick auf das Thema ermöglichen, Betroffenen Mut machen und auch unserem Auftrag als Bildungseinrichtung insofern nachkommen, als dass wir Betroffene und Angehörige zu mündigen Patienten machen", erklärt Monika Schwidde, Leiterin der VHS.

"Heute ist man nicht mehr traurig oder erschöpft."

Acht Vorträge sind über den ganzen Tag verteilt geplant. „Wir können nur einen Auszug aus möglichen alternativen Therapieansätzen darstellen. Eigentlich gibt es noch viel mehr", sagt Müller, der vor allem den heutigen Gebrauch des Begriffes „Depressionen" kritisiert. „Heute ist man nicht mehr traurig oder erschöpft. Man ist sofort depressiv und damit auch sofort auf der falschen Spur." Schlimm sei vor allem, dass fachfremde Ärzte dann nicht selten Antidepressiva verordneten – zur Behandlung von Krankheitsbildern, wo deren Einsatz „überhaupt keinen Sinn ergibt", so Müller weiter. „Die Patienten werden dann mit den schweren Nebenwirkungen und der Tatsache, dass auch Anhängigkeiten entstehen können, allein gelassen."

Nach Meinung von Müller sei es vor allem wichtig, dass bereits die Diagnose von einem Facharzt, also einem Psychiater, gestellt werde. Und eine Sache betont der Mediziner im Ruhestand ausdrücklich: „Der emotionale Kontakt zwischen Arzt und Patient muss stimmen, sonst kommt es zu keiner vernünftigen Behandlung." Das seien Grundlagen, die für unsere Vorfahren noch eine Selbstverständlichkeit gewesen, heute jedoch nur allzu oft verloren gegangen seien. Die Fachtagung, die am 6. September um 9 Uhr beginnt (Einlass ab 8 Uhr) und bis 18 Uhr dauert, richtet sich sowohl an Fachleute und Mediziner als auch an Betroffene und Angehörige. Die Tagungsgebühr beträgt 50 Euro.

Von der Ärztekammer Westfalen-Lippe wurde die Tagung mit neun Fortbildungspunkten für Mediziner zertifiziert. „Die Vorträge sind aber nicht nur für Experten konzipiert und sehr praxisnah", sagt Frank Schragner, an der VHS Fachbereichsleiter Gesundheit. Außerdem gebe es auch immer die Möglichkeit, Fragen zustellen. Da die Zahl der Plätze begrenzt ist, bittet die VHS um Anmeldung bis zum 30. August (Veranstaltungs-Nummer 18-17002). Anmeldungen sind möglich unter Tel. (0 52 21) 59 05 32 oder über www.vhsimkreisherford.de

© 2018_08_10_NW_Kreis_Herford_Antidepressiva_Natalie Gottwald

 

Depressionen ohne Medikamente bekämpfen
Fachtagung am 6. September in der VHS-Aula – Psychiater warnt vor falschen Diagnosen

Herford (WB). »Wege aus der Depression«: Zu diesem Thema gibt es im VHS-Gebäude eine Fachtagung. Die Veranstalter erwarten viele Interessierte.

Bei einer ersten Tagesveranstaltung zu der Thematik waren im vergangenen Jahr mehr als 160 Menschen gekommen. Daher mussten die Initiatoren ins Marta ausweichen. In diesem Jahr stehe aber nur die VHS-Aula zur Verfügung, sagt Leiterin Monika Schwidde. Diese biete Platz für 100 Besucher. Wer sich für die Veranstaltung am 6. September interessiert, sollte sich also frühzeitig anmelden.

Oftmals falsche Hypothesen

Bei der Tagung geht es um »erprobte alternative Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen«, um Wege, Antidepressiva zu reduzieren oder gar abzusetzen. Dass dies sinnvoll ist, steht für den Psychiater Dr. Wolf Müller außer Frage. Seine Kritik an Teilen seines Berufsstandes fällt grundsätzlich aus. Oft gingen die Ärzte von falschen Hypothesen aus: »Bisher wurde kein Nachweis erbracht, dass Depressionen etwas mit einem Serotoninmangel im Gehirn zu tun haben.« Anstatt körperliche Gegebenheiten als Ursache anzunehmen, nimmt Müller den ganzen Menschen und sein Umfeld in den Blick, um Depressionen zu verstehen. Der Patient brauche empathische Begleitung, zudem seien Depressionen episodenhaft und klängen meist von allein wieder ab.

Begriff »Depression« oft falsch verwendet

Die mögliche positive Wirkung von Antidepressiva hält der Psychiater für gering und vernachlässigungswert. Wichtiger sind ihm die möglichen Nebenwirkungen wie Aggressivität oder Libidoverlust. Überhaupt warnt der Experte vor einer zu leichtfertigen Verwendung des Begriffs Depression. Das Wort werde auch von Allgemeinärzten oft falsch verwendet und mit anderen Krankheitsbildern wie Burnout verwechselt. Das wiederum führe zu einer falschen Behandlung. Grundsätzlich gelte, so der Psychiater, ehemaliger Chefarzt am Klinikum Herford: »Es gibt weniger Depressionen als angenommen.« Zugenommen habe die Diagnostik – »in hohem Maße von nichtpsychiatrischen Fachgebieten«.

© Herforder Kreisblatt, 09.08.2018

 

 

(c) Natalie Gottwald

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