Legenden, Irrtümer, Kuriositäten - Stadtführer Mathias Polster hinterfragt die Herforder Geschichte - neuer Rundgang

Legenden, Irrtümer, Kuriositäten - Stadtführer Mathias Polster hinterfragt die Herforder Geschichte - neuer Rundgang 26.11.2018

Vortrag in der VHS: "Stadtgeschichte(n) in der Radewig"

Herford(HK). Bei so viel Geschichte kann schon mal etwas durchrutschen. Folglich gibt es in mehr als 1200 Jahren Herford-Historie einiges zu korrigieren - meint zumindest Mathias Polster. Zu Irrtümern und Kuriositäten hat der Stadtführer jetzt einen ganz besonderen Rundgang vorbereitet.
"Schon der erste Absatz im Wikipediaeintrag zu Herford ist falsch", sagt Polster. Denn mitnichten gingen die Anfänge Herfords auf das Jahr 789 zurück. Keimzelle seien drei vermutlich wesentlich ältere Höfe gewesen, aus denen später die Stadt entstand. Und deshalb seien sowohl die 1100-Jahr-Feiern im Jahre 1923 als auch das 1200-Jahr-Jubiläum 1989 falsch terminiert worden. "Bei so viel Geschichte wie in Herford kommen halt Ungenauigkeiten, aber auch viele Kuriositäten zusammen", erklärt Polster. Und die wird er Interessierten bald vorstellen - am passendsten Datum, wenn es um "Fake news" geht: am 1. April (14 Uhr, Treffpunkt Rathaustreppe).
Doch wie alt ist Herford nun tatsächlich? "An der Löhrstraße wurden sogenannte Brandschüttungsgräber gefunden, die sind etwa 2000 Jahre alt." Aber kann man mit Blick auf die antike Zeit da schon von Herfordern sprechen?
Und wie war das eigentlich mit dem großen Stadtbrand von 1638, der größten bekannten Katastrophe der Stadtgeschichte. Damals wurden von den 800 Gebäuden der Stadt etwa 300 vernichtet. Das Feuer war wohl in der Scheune eines an der Hämelinger Straße gelegenen Gutes ausgebrochen. "Angeblich hatte eine Frau beim Dreschen in der Scheune einen Ring verloren. Den soll sie dann bei Kerzenlicht gesucht und so das Feuer ausgelöst haben", erklärt Polster. Noch so eine Legende, von der niemand weiß, ob sie wahr ist.
Tatsache ist auf jeden Fall, dass ein Turm der Münsterkirche nicht vollendet wurde. Am Geld hat's gelegen, heißt es landläufig. "Das stimmt nicht", sagt Polster. Es sei der verbaute Mergelstein gewesen, der im Kontakt mit Sauerstoff zerbröselt sei. "Deshalb mussten große Teile abgetragen werden." Im anderen Turm - dem repräsentativeren, der zur Stadt hin zeigt - habe man die Standfestigkeit durch Eisenanker gesichert.
Auch die Geschichte von Herford als Pilgerstadt müsse relativiert werden. "Klar, die Jakobikirche war eine Pilgerkirche. Aber für die vielen Pilgerherbergen, von denen häufig die Rede ist, gibt es keine Quellen." Die Muschel am südwestlichen Strebepfeiler der Kirche - Zeichen der Jakobspilger - sei zudem erst in protestantischer Zeit angebracht worden. Noch so ein Irrtum: ein angeblich authentisches Stück der alten Stadtmauer an der Berliner Straße. "Ja, hier stand einst die Stadtmauer. Aber was wir heute sehen, ist erst 1970 aus alten Bruchsteinen dort aufgebaut worden", verweist Polster auf alte Zeitungsartikel. Dabei weist ein Schild vor Ort das Steinrelikt als echte Stadtmauer-Ruine aus.
Ein lange kursierendes Gerücht hat sich allerdings vor einigen Jahren als echt bewahrheitet: In der Radewig liegt auf dem Dachboden eines alten Hinterhauses ein etwa sechs Meter langes Boot. Es passt durch kein Fenster und auch nicht durch die Dachluke. Wie ist es dort hingekommen? 1963 hat ein junger Mann die Jolle dort oben aus glasfaserverstärktem Kunststoff eigenhändig gebaut, wie frühere Bewohner bestätigen. Der Bauplan liegt noch heute neben dem Boot. "Er wollte damit zu See fahren", erzählt Polster.
Seine Mutter hatte er über seine Pläne allerdings nicht informiert. Diese fiel aus allen Wolken, als ihr Sohnemann erklärte, nur ein Wanddurchbruch könne dem Boot den Weg ans Wasser ebnen. Das kam natürlich nicht in Frage. Und so liegt der fertige Rumpf der Jolle seit 55 Jahren auf dem Trockendock unter dem Dach am Janup 7. Als Kirsten und Ulrich Serowski das Haus vor zwölf Jahren kauften, stießen sie auf das ominöse Boot, dessen Existenz schon lange als Gerücht durch die Stadt geisterte. "Und jetzt soll es hier auch bleiben", sagt Kirsten Serowski.
Bereits heute (19 Uhr, VHS am Münsterkirchplatz) hält Mathias Polster einen Vortrag über "Stadtgeschichte(n) in der Radewig". Dabei werden auch einige der Legenden und Irrtümer zur Sprache kommen.

08.01.2018, Herforder Kreisblatt, Bernd Bexte

Die Neustadt © Mathias Polster

Die Neustadt © Mathias Polster

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