Ahmad Mansour referierte in der VHS in Herford

Ahmad Mansour referierte in der VHS in Herford 28.02.2019

Klartext zur Integration: Gegen falsche Toleranz und Panikmache

"Integration ist eine Bringschuld"
Der umstrittene Islamexperte Ahmad Mansour warnt vor "falscher Toleranz"


Herford(HK). So ein Satz sitzt: "Jeder Schüler hat das Recht auf ein Pausenbrot mit Wurst aus Schweinefleisch, ohne dafür gemobbt zu werden." Ahmad Mansour spitzt die Dinge gerne zu. Dafür zahlt er einen hohen Preis.
Draußen Polizei, am Eingang ein Sicherheitsdienst, Einlasskontrollen für jeden Zuhörer und ein Referent, der von fünf breitschultrigen Personenschützern des LKA begleitet wird: Wenn Ahmad Mansour über Integration und Islam spricht, herrscht höchste Sicherheitsstufe. Denn die Thesen des 42 Jahre alten Psychologen und Autors bergen Zündstoff. Er wettert gegen "falsche Toleranz" und "populistische Panikmache", fordert ein deutliches Auftreten des Staates gegenüber Einwanderern und sieht vor allem in der traditionellen patriarchalischen Gesellschaft des Islam den Hauptgrund für Probleme bei der Integration. Das bringt ihm Morddrohungen aus der muslimischen Community und häufig Applaus von unerwünschter Seite ein. Mit beidem hat er gelernt, zu leben.
Am Dienstagabend war der in Israel als arabischer Muslim aufgewachsene Mansour Gast der Volkshochschule am Münsterkirchplatz. Mansour war nach Herford gekommen, um sein neues Buch "Klartext zur Integration" vorzustellen. Und Klartext bekamen die 120 Gäste in der vollbesetzen Aula. "Die Integration ist in erster Linie eine Bringschuld der Zugewanderten", sagt der Mann, der seit 15 Jahren in Deutschland lebt. Mittlerweile hat er einen deutschen Pass, gilt in seiner neuen Heimat als Instanz in Sachen Integration und wird als solcher gerne in TV-Talkshows eingeladen. Wer hier dauerhaft leben wolle, "muss die Neugier haben, die Gesellschaft kennenzulernen". Viele Migranten hätten diese nicht. "Ich werde aber erst in Deutschland ankommen, wenn ich die Gesetze und Werte hier akzeptiere und als Chance anerkenne." Bei vielen Muslimen dominiere hingegen die Angst vor dem Verlust der Identität, bei den Männern die Sorge um familieninterne Macht. "Ich habe das bei meinem 75-jährigen Vater bemerkt, als er mich zum ersten Mal in Berlin besucht hat."
Aus einer solchen Angst entstünden Parallelgesellschaften. In denen hätten Frauen eben nicht die gleichen Rechte wie in der Mehrheitsgesellschaft, bestimmten die Väter weiterhin, was die Töchter tun und lassen dürfen. "Wenn ich aber nach Deutschland komme und meine Kinder hier genauso erziehen will wie in Syrien, dann geht das nicht." Der Staat müsse viel deutlicher kommunizieren, was er von den Zuwanderern erwarte. Auch Kritik am Islam müsse möglich sein, ohne gleich als "Islamophobie" abgestempelt zu werden. Die Schule müsse ein säkularer Raum sein, sagt der nicht praktizierende Muslim. Religionsfreiheit bedeute auch Freiheit von Religion - ohne Rücksichtnahme auf Gebets- oder Fastenvorschriften. "Ali muss genau so behandelt werden wie Jana und Thomas." Union und SPD stellten sich dieser Diskussion nicht. "Dabei müssen diese Themen in der Mitte der Gesellschaft differenziert diskutiert und nicht den Populisten überlassen werden." Was also tun? Die drei- bis viermonatigen Integrationskurse für Migranten seien jedenfalls nicht die richtige Antwort. Der Staat müsse mehr Selbstbewusstsein zeigen: "Integration ist die Festlegung von Regeln, nicht das Feiern von Unterschieden."


Kommentar
Wir schaffen das - aber nicht so!", ergänzt Ahmad Mansour den berühmten Satz von Kanzlerin Angela Merkel und sagt damit, was er von ihrer Integrationspolitik hält. Selbst Zugewanderter, kann er in der Öffentlichkeit unbefangen mit Gleichgesinnten ins Gericht gehen und aus eigener Erfahrung Schwierigkeiten benennen. Und das tut er provozierend: "Die Islamverbände sind Teil des Problems." "Mesut Özil ist für mich nicht integriert." "Wir müssen mehr über den Antisemitismus unter Zugewanderten sprechen."
Man muss nicht jede These des Psychologen teilen. Mansour legt jedoch den Finger in viele Wunden, die die politische Mitte zumindest in der öffentlichen Debatte gerne übersieht - und diese somit den Demagogen überlässt. Der Aufstieg der AfD ist dafür ein ausreichender Beleg.
Mansour beruft sich in seiner Haltung auf die europäische Aufklärung: das Hinterfragen von Autoritäten und Traditionen. Genau das fordert er von Muslimen. Auch wenn dies bis auf Weiteres ein frommer Wunsch bleiben wird, sollte man ihm in der Zwischenzeit zuhören. Nur eine ehrliche Diskussion bringt uns weiter. Bernd Bexte


Herforder Kreisblatt, 28.02.2019, von Bernd Bexte

"Deutschland sollte bei der Integration weniger oberflächlich sein"
Vortrag: Ahmad Mansour referiert in der Herforder Volkshochschule und erklärt,
welche Schwerpunkte er bei der Frage der Integration setzen würde


Herford. Das Sicherheitsaufgebot für den Auftritt von Ahmad Mansour ist groß, als er sein neues Buch "Klartext zur Integration: Gegen falsche Toleranz und Panikmache" in der Aula der Volkshochschule (VHS) vorstellt: Ausweis- und Taschenkontrollen am Einlass und Personenschutz durch mehrere Mitarbeiter des Landeskriminalamts. Denn Ahmad Mansour ist nicht unumstritten, er erhält sogar Morddrohungen von Extremisten.
Eröffnet wurde der Abend von Monika Schwidde, Leiterin der VHS. Mit ein paar Sätzen skizzierte sie den Lebenslauf
von Ahmad Mansour, der 2004 aus Israel nach Deutschland kam und mit seinem ersten Buch "Generation Allah" schon 2007 in Herford zu Gast war. Inzwischen ist der Diplompsychologe Botschafter für Demokratie und Toleranz, seit 2017 Geschäftsführer des Mansour-Institut für Demokratieförderung und Extremismusprävention und mit mehreren Preisen ausgezeichnet.
Doch auch für ihn war der Start in Deutschland schwierig: "Als ich damals als studierter
Mann hierher kam, fühlte ich mich wie ein Kind. Die deutsche Gesellschaft wirkte sehr kalt, abweisend und distanziert. Ich gehörte nicht dazu und konnte schon gar nicht mitdiskutieren", sagte Ahmad Mansour. Von Anfang an habe er den Ehrgeiz gehabt, in der deutschen Gesellschaft anzukommen und dazu zu gehören. Genau da setzt auch sein neues Buch an: "Zuallererst sind die Zuwanderer in Sachen Integration in der Bringschuld!", so Mansour. "Integration
ist nicht Arbeit plus Sprache minus Kriminalität. Das ist aber etwas, was der deutsche Staat auch noch nicht verstanden hat."
Falsche Toleranz beginne für ihn, wenn beispielsweise patriarchale Strukturen akzeptiert werden und Gleichberechtigung nicht auch gleiche Pflichten für alle bedeutet. "Viele Immigranten haben Angst, ihre Identität und Kultur zu verlieren und sie ihren
Kindern nicht weitergeben zu können, wenn sie sich hier zu sehr anpassen. Diese Angst muss man ihnen nehmen. Und wenn diese Angst nicht wahrgenommen
wird und es stattdessen heißt, die Immigranten würden sich nur nicht integrieren
wollen, beginnt die Panikmache."
Eine Stunde referierte Mansour über die Inhalte seines Buches, bevor die etwa 140 Gäste die Möglichkeit bekamen, Fragen zu stellen. Bei den Fragen der Mitglieder der Herforder Organisation "Extrem Dagegen" ging es dann vor allem darum, wie die theoretischen Ansätze Mansours zur richtigen Integration in der Praxis umgesetzt werden können und inwiefern sich die Integrationsmethoden konkret verändern müssen um effektiver zu sein.
"Prinzipiell sollte Deutschland bei der Integration weniger oberflächlich sein. Man ist eben nicht automatisch gut integriert, wenn man die Mülltrennung beherrscht und sonntags abends den Tatort schaut. Es ist viel wichtiger Zugewanderten die Werte unserer Gesellschaft nicht nur unmissverständlich zu vermitteln, sondern dazu auch zu stehen. Und genau darin muss Deutschland noch um einiges besser werden."

Neue Westfälische, 28.02.2019, von Mareike Köstermeyer


© Bernd Bexte/Herforder Kreisblatt

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