Von einem, der ausstieg, um ein anderes Leben zu leben

Von einem, der ausstieg, um ein anderes Leben zu leben 23.01.2020

Christof Jauernig will die Besucher seiner Veranstaltung ermutigen, auf ihre Sehnsüchte zu achten.

 

 

 

Herford.Christof Jauernig hatte einen angesehenen Arbeitsplatz mit respektablem Gehalt. Dann kündigte er, ohne einen Plan B zu haben, reiste sechs Monate durch acht südostasiatische Länder und lebt heute ganz anders als vorher. Am Dienstag, 28. Januar, erzählt er ab 19 Uhr seine „Aufbruchsgeschichte“ im Gebäude der Volkshochschule (VHS), Münsterkirchplatz 1, – in Worten, mit Fotografien und Pianoklängen.

 

Herr Jauernig, was war das für ein Leben, das Sie früher gelebt haben?

CHRISTOF JAUERNIG:Ich habe mich zuletzt sieben Jahre lang als Analyst im Finanzsektor unter anderem mit Marktstudien und Exceltabellen befasst. Das war ein sehr raues Arbeitsumfeld, sehr schnelllebig, sehr kopflastig. Anfangs hat das Spaß gemacht, aber ich konnte mich mit der Zeit damit immer weniger verbinden. Lange habe ich mich gezwungen, trotzdem weiter zu machen – aus der Angst heraus, keinen Job zu finden oder meine Erwerbsbiografie zu unterbrechen. Bis ich gemerkt habe: Ich muss das beenden.Mit welchem Lebensgefühl leben Sie heute? Was ist anders?

JAUERNIG:Ich bin heute sehr viel stärker mit mir im Einklang, weil ich Dinge tue, die zu mir passen. Hinter denen stehe ich wirklich. Ich mache jetzt künstlerischen Tätigkeiten, bin Vortragsredner, selbstständig. Ich bin mein eigener Chef, kann mir die Zeit selbst einteilen und mache eine Arbeit, die sehr viel lebendiger, menschlicher und authentischer ist. Dafür war ich auch bereit zu einem sehr viel weniger komfortablen Lebensstandard.Haben Sie mehr oder weniger Arbeit als früher?

JAUERNIG: Stundenmäßig ist das manchmal ähnlich. Aber das ist nicht entscheidend. Ich bin ein Ein-Mann-Unternehmen, das heißt, ich mache alles selbst – von der Plakatgestaltung über das Booking bis hin zur Pressearbeit. Ich habe eine CD mit meiner Klaviermusik aufgenommen und selbst produziert.

Ist Ihr beruflicher Wechsel eine Frage Ihrer Werte gewesen? JAUERNIG:Ja, der Werte, der Begabung bestimmt auch, der Überzeugung. Jetzt mache ich eine Arbeit, die ausgewogen und kreativ ist. Allein im letzten Jahr war ich in 45 Städten. Viele Menschen haben sich von meiner Geschichte berühren lassen, auch in psychosomatischen Kliniken, in denen ich mit Menschen mit ähnlichen Biografien und ähnliche Krisen im Job oder in anderen Bereichen in Kontakt war. Das hat für mich eine ganz andere Wertigkeit. Aus dieser Lebendigkeit ziehe sehr viel Kraft.Was ist während der Reise in Ihnen passiert?

JAUERNIG:Die Reise war vor allem eine Zeit, in der ich in die Ruhe kam – aus dem schnelllebigen Alltag zu mir selbst. Oft waren es unspektakuläre Erlebnisse, die für mich Schlüsselmomente waren.Ein Beispiel?

JAUERNIG:In Myanmar war ich während der Regenzeit auf dem Gelände einer Pagode, als plötzlich ein wahnsinniger tropischer Regenschwall runter kam. Auf dem Platz habe ich einen buddhistischen Mönch entdeckt, den hätte ich fast übersehen. Er hat dort eineinhalb Stunden mitten im strömenden Regen meditiert. Da habe ich erlebt, wie einen innere Ruhe und Stärke befähigen können, äußeres Ungemach mit Gleichmut zu durchleben.Für mich war das eine Schlüsselszene: In dem Moment, als ich den Job aufgegeben hatte, war es so, als würde ich den Blick für das Schöne in der Welt wiederfinden. Darum ging es mir auch bei meiner Reise: Die Welt wieder mit dem Herzen zu sehen, im Moment anzukommen. Und dann sind Dinge passiert, die mir genau das ermöglicht haben.

Viele Menschen haben Sehnsucht nach einem anderen Leben. Warum, glauben Sie, fällt es vielen so schwer, das tatsächlich zu leben?

JAUERNIG:Das hat verschiedene Gründe. Ich habe keine Kinder. Dadurch war es für mich leichter, einen so radikalen Schnitt zu machen. Trotzdem kommen oft noch andere Dinge hinzu: die Angst vor dem Neuen, dem Unvertrauten. Eingefahrene Situationen, sei es der Job, seien es andere Routinen, geben Sicherheit. Selbst wenn man merkt, dass eine Situation einem widerstrebt oder sogar krank macht, hindert einen oft die Angst vor dem Unbekannten, sie zu verändern.

Wie war das für Sie, als Sie zurückkamen und keinen Job mehr hatten?

JAUERNIG:Ich habe die letzten Jahre eigentlich immer ohne Plan verbracht, kaum abgesichert. Und je mehr ich das tue, desto mehr erlebe ich, dass die Dinge sehr günstig für mich verlaufen. Ich weiß nicht, was kommt, es gibt keine Garantie. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich in einem großen Maß darauf vertrauen kann, dass die Dinge in dem Moment gut laufen, in dem ich mit dem, was ich mache, im Einklang bin. Diese Erfahrung möchte ich auch in meinen Veranstaltungen teilen.

Würden Sie anderen empfehlen, es ähnlich wie Sie zu machen?

JAUERNIG:Meine Geschichte ist keine Blaupause für die Lösung von Lebenskrisen. Jede Lebensgeschichte ist anders. Deshalb geht es nicht immer darum, den Job aufzugeben. Doch ich glaube, dass es wichtig ist zu erspüren, wo das Problem liegt – und dann ehrlich zu sich zu sein.

Das Gespräch führte Corina Lass

(c) Christof Jauernig

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