Herford rundum - Eine bildliche Führung durch die Stadt vor hundert Jahren

Herford rundum - Eine bildliche Führung durch die Stadt vor hundert Jahren 28.04.2021

Als die Straßen noch geschottert waren

Herford HK/bex. Als Wilhelm Arnold anno 1922 mit seiner Reisekamera den Turm der Marienkirche Stift Berg bestieg, konnte er nicht ahnen, dass das Ergebnis seiner Panorama-Fotografie noch 100 Jahre später für Aufsehen sorgt.

Eine außergewöhnliche Zeitreise durch die Herforder Geschichte haben jetzt mehr als 50 Teilnehmer bei einer Online-Veranstaltung der Volkshochschule des Kreises erlebt – zu eben dieser fotografischen Stadtansicht Arnolds. Für seinen Vortrag „Herford rundum – eine Führung durch die Stadt vor 100 Jahren“ hatte der ehemalige Stadtarchivar Dieter Begemann das historische Foto-Panorama so aufgearbeitet, dass es für die Teilnehmer auf ihren heimischen Monitoren wie bei einer Kamerafahrt durch eine vergangene Zeit erschien.

Als Stadtarchivar war Begemann um das Jahr 2000 auf sieben stark beschädigte alte Fotografien gestoßen. Nach und nach wurde ihm klar, dass zu diesen noch ein achtes, damals verschwundenes Bild gehören musste. Es gelang ihm, dieses fehlende Foto außerhalb des Stadtarchivs ausfindig zu machen und am Computer zu einem Gesamtbild zu rekonstruieren. Bereits 2007 war eine fünf Meter lange Vergrößerung des Panoramas im Rathaus-Foyer ausgestellt worden.

Fotograf Wilhelm Arnold war als 17-jähriger Lehrling im August 1922 mit einer Holzkamera auf den Turm gestiegen. Mit großem Aufwand und jugendlichem Wagemut machte er in etwa 30 Metern Höhe acht Aufnahmen auf Glasnegativen, die er dann zu einem Panorama montierte. Eine echte Herausforderung, denn Weitwinkel-Objektive oder gar digitale Foto-Nachbearbeitung waren noch Jahrzehnte entfernt.

Sein einziges Handwerkszeug war eine Reisekamera, ein Holzgestell von der Größe eines Reisekoffers. Das Stadtpanorama schenkte er 1959 dem Bildarchiv des städtischen Museums. Dort schien es aber nicht besonders gut aufgehoben zu sein. Denn die Großfotografie wurde beschädigt und in ihre Einzelteile zerlegt. Erst später kam sie ins Kommunalarchiv. Arnold, der in der Brüderstraße ein Fotoatelier betrieb, starb 1968.

Um dessen Arbeitsweise nachzuvollziehen, hatte Historiker Begemann 2007 mit seinem Sohn Sebastian ebenfalls den Turm erklommen. Weil vor der Turmöffnung, aus der Arnold 85 Jahre zuvor fotografiert hatte, inzwischen hohe Bäume standen, machten sie ihre Aufnahmen aus jener Luke in der Turmspitze, hinter der heute erstmals Turmfalken brüten. Die so entstandenen Fotos montierte Begemann zu einem Panorama, das von der Dachspitze des H2O auf der einen, über die gesamte Innenstadt bis fast zur Maiwiese auf der anderen Seite reicht. Das entsprach dem gleichen Aufnahmewinkel von etwa 210 Grad, den auch Arnold erreicht hatte.

Für die Teilnehmer der VHS-Veranstaltung ergab sich so die einmalige Gelegenheit zu einem direkten Damals-Heute-Vergleich. Arnolds Panorama beginnt auf der linken Seite mit der Brücke der Lippischen Eisenbahn über die Werre, wenig entfernt die Wiese-straßenbrücke. Umgeben von Wiesen und Getreidefeldern bis an den Horizont, stehen beide noch sehr allein in der Landschaft.

Heutige Straßen in diesem Bereich waren damals nur geschotterte Wege. Die Ahmser Straße als städtische Ausfallstraße ist bereits „chaussiert“. Dort liegt Schotter auf einer befestigten Packlage.

Außerhalb der Innenstadt sind vornehmlich die Ausfallstraßen mit Häusern bebaut. Jenseits des Heller Wegs und der Lockhauser Straße erkennt sind die Schornsteine von zwei Ziegeleien zu erkennen. Versuche, den Wohnungsbau voranzubringen, sind nur an wenigen Stellen zu erahnen, obwohl damals offen vom Wohnungselend in der Stadt gesprochen wurde.

Mehr als 30 Minuten sehen die Teilnehmer als bewegte Bildreise, was Arnold damals mit seiner Kamera festgehalten hatte. Details werden herangezoomt, darunter die damalige Seuchenbaracke für Pockenkranke im Garten des Katholischen Krankenhauses, die Fabrikschornsteine der Innenstadt oder die Startfläche für die Gleitflieger des Herforder Vereins für Luftfahrt auf dem Homberg.

Überrascht von der Fülle der Einzelheiten äußern mehrere Teilnehmer den Wunsch, das historische Panorama länger und intensiver anschauen zu können, etwa im städtischen Museum. Museumsleiterin Sonja Langkafel erklärte, dass die Dauerausstellung des Städtischen Museums gerade überarbeitet werde. Sie kann sich durchaus vorstellen, dass dabei das Arnold-Panorama eine Rolle spielen könne.

Dieter Begemann arbeitet bereits daran, ein weiteres Panorama präsentationsfähig zu machen. „Der Aufwand dafür ist teilweise erheblich. Aber es macht natürlich Spaß, wenn es dafür ein solches Interesse gibt.“

 

Herforder Kreisblatt, bex, 28.04.2021

Fotos: M. Schwidde

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