„Das Haus ist gut bestellt“ (Herf. Kreisblatt) - Wie Monika Schwidde ihrer VHS einen exzellenten Ruf verschaffte (NW HF)

„Das Haus ist gut bestellt“ (Herf. Kreisblatt) - Wie Monika Schwidde ihrer VHS einen exzellenten Ruf verschaffte (NW HF) 18.11.2021

Presseartikel der Lokalzeitungen anlässlich des bevorstehenden Ruhestandes nach mehr als 30 Jahren bei der VHS

„Das Haus ist gut bestellt“

(Herforder Kreisblatt)

Nach mehr als als 30 Jahren bei der VHs geht Leiterin Monika Schwidde Ende des Monats in den Ruhestand

Herford HK.  Als die 35-jährige Monika Schwidde im Mai 1991 ihre Stelle als Fachbereichsleiterin antrat, schlingerte die Volkshochschule im Kreis Herford in rauer See. Und das sollte sich in den folgenden Jahren nicht ändern. „Damals gab es wöchentlich Negativ-Schlagzeilen“, erinnert sich die heute 65-Jährige. Die Unzufriedenheit der Kreis-Kommunen mit der Leitung war groß. Es folgten Führungswechsel, der damalige Bürgermeister Gerhard Klippstein stellte den Fortbestand in der damaligen Form sogar öffentlich in Frage. Der Kreis (2000) und die Stadt Löhne (2003) traten später aus dem VHS-Zweckverband aus.

Die Querelen sind Geschichte, die VHS im Kreis Herford gilt in der Weiterbildungslandschaft bundesweit als vorbildlich. Auch oder vor allem dank Monika Schwidde. Nach zwei Leitungsphasen in kommissarischer Funktion wurde sie 2002 VHS-Direktorin, ein Amt, das sie nach fast zwei Jahrzehnten zum Dezember an ihren aktuellen Stellvertreter Mark Stocksmeyer abgibt. „Das Haus ist gut bestellt“, sagt Schwidde nicht ohne Stolz. Die Nachfrage stimme, die Finanzen auch: Die Zweckverbandsumlage konnte 24 Jahre stabil gehalten werden. Nicht zuletzt ist das historische Gebäude am Münsterkirchplatz durchsaniert.

 

„Wir sind jetzt ein modernes Dienstleistungsunternehmen“, sagt die gebürtige Bünderin, die vor ihrer VHS-Zeit unter anderem als Lehrerin gearbeitet hat. Das ist keine Phrase. Während andere sich noch fragten, was Digitalisierung bedeutet, war die VHS schon mitten drin: Seit Mai 2009 wird getwittert, seit gut zehn Jahren gibt es einen Facebook-Auftritt. „Wir haben 2012 intern mit Webinaren begonnen, 2013 von einer virtuellen VHS gesprochen“, sagt Schwidde. Online-Veranstaltungen also nicht erst seit Corona. A propos Pandemie: Das Virus hat den Betrieb auf den Kopf gestellt. Bis dahin fanden etwa 60 Prozent aller Veranstaltungen in Herford, der Rest dezentral in den anderen Kommunen statt. Das erste Jahr der Pandemie hat ein sechsstelliges Loch in den Etat gerissen. Die Lage hat sich etwas normalisiert: „Zur Zeit bieten wir neben Online- und Hybrid-Kursen auch Präsenz-Veranstaltungen an.“ Eine zweite große Herausforderung war der Flüchtlingsstrom 2015. „Da waren wir sofort zur Stelle.“ Das Haushaltsvolumen für Deutsch-Kurse stieg von 1,9 Millionen Euro (2015) auf vier Millionen Euro (2018).

 

Schwidde schätzt die VHS-Form des Zweckverbandes, der relativ frei agieren könne. „Innerhalb einer kommunalen Verwaltung wäre das anders.“ All das ist für sie aber nun vorbei. Im Ruhestand will sich die Gütersloherin mehr um die Enkel ihrer Tochter kümmern, „und endlich Zeit für mich haben“. Heißt: „Ich werde sicherlich den ein oder anderen VHS-Kurs besuchen.“

 

18.11.2021, Herford Kreisblatt, Bernd Bexte

Bild unten: Zwei neue Kolleginnen stellt VHS-Direktor K.-E. Knocke im Mai 1991 im Kreishaus der Presse vor: Gabi Bieberstein (links im Bild) und Monika Schwidde.

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Wie Monika Schwidde ihrer VHS einen exzellenten Ruf verschaffte

(Neue Westfälische Herford)

 

 

Die Leiterin der Volkshochschule geht in den Ruhestand. Der Familie, ihrer Gesundheit und der Kultur will sie mehr Zeit einräumen. Dazu war in den vergangenen Jahren oft wenig Gelegenheit.

Kreis Herford. Monika Schwidde geht nach Erreichen des Rentenalters mit dem guten Gefühl in den Ruhestand, ihrem Nachfolger ein gut bestelltes Feld zu hinterlassen. Und auch wenn die Leiterin der Volkshochschule im Kreis Herford seit einigen Jahren in Gütersloh lebt, werde der Kontakt in die Hansestadt nicht abreißen.

 

„Ich werde mich im Marta- Freundeskreis und im Förderverein der Volkshochschule engagieren und sicher auch hin und wieder im Elsbach-Restaurant anzutreffen sein“, sagt die 65-Jährige, deren Aufgabe ihr Stellvertreter, Mark Stocksmeyer, übernimmt. Sie freue sich darauf, privat mehr Kulturangebote wahrnehmen zu können. Und die Familie, ihre Tochter und zwei Enkel, freuten sich, dass die Oma dann mehr Zeit habe.

 

Zudem wolle sie sich in Zukunft mehr um ihre Gesundheit kümmern. Dabei vertraut Schwidde dem Angebot ihrer Herforder VHS. „Wir haben ein hervorragendes Bildungsangebot, das ich nun selbst wahrnehmen kann.“ Anstrengend sei die Zeit mit Corona und ihren immer neuen Schutzmaßnahmen gewesen. „Ich bin froh, die 2G-Regelung nicht mehr umsetzen zu müssen“, sagt Schwidde. Denn<s> </s>das widerspreche dem offenen Charakter der Herforder VHS. „Für mich war und ist die VHS ein offenes Haus.“

 

Viele unruhige Zeiten hat die VHS-Leiterin in den vergangenen 30 Jahren erlebt: Als sich Schwidde jetzt vom Zweckverband verabschiedete, blickte sie auch auf ein jahrelanges Gezerre an der Einrichtung zurück. Dabei ging es in ihren Anfangsjahren in Herford um die personelle Besetzung der Volkshochschule mit einer Doppelspitze, um die Kosten, die Ausrichtung der Kurse und das sanierungsbedürftige Gebäude.

 

Schwidde begann im Mai 1991 als Fachbereichsleiterin für Gesundheit und Hauswirtschaft sowie künstlerisches und handwerkliches Gestalten in Herford. Damals habe sich endlich jemand um Frauenbildung kümmern müssen, sagte sie in der Versammlung des Zweckverbands. Zum Herbst1991 entwarf sie das erste Frauenprogramm. Oberkreisdirektor Henning Kreibohm belobigte sie dafür.

 

Allerdings waren die Schlagzeilen in den folgenden Jahren vor allem negative. Die Doppelspitze mit zwei Direktoren erschien den an der VHS beteiligten Kommunen zu teuer. Hinzu kamen persönliche Konflikte zwischen dem Verbandsvorsteher und der Leitung. Der Kreis stellte ab 1993 seine Mitgliedschaft im Zweckverband in Frage – und schied 2000 aus. Zudem beschloss der Verband, das arg sanierungsbedürftige VHS-Gebäude zu kaufen.

 

Zweimal übernahm Schwidde die kommissarische Leitung, bevor sie im Oktober 2002 die neue VHS-Direktorin wurde. Das damalige Weiterbildungsgesetz forderte, dass die Volkshochschulen die Menschen fit für den Arbeitsmarkt machten. Das gipfelte in der Idee von Herfords Bürgermeister Thomas Gabriel, die VHS mit Schule & Co. zu verzahnen. Damit hätte die VHS ihre Selbstständigkeit verloren. Es kam anders.

 

Ab 2001 folgten positivere Schlagzeilen. „Mehr berufliche Weiterbildung, weniger Hobbykurse – 300.000 Mark Überschuss“, war ein Zeitungsbericht überschrieben.

 

Wie Herford Dank Schwidde bundesweit ausstrahlte

 

Ende 2003 verabschiedete sich jedoch die Stadt Löhne aus dem Zweckverband. Dabei ging es auch um die Frage, wie viele dezentrale Angebote sich die VHS leisten konnte. Zu wenig, wie die Löhner fanden.

 

Bei rund 40 Prozent lag kurz vor der Pandemie der Anteil der Kurse außerhalb Herfords. Es müsse eine Akzeptanz in den Kommunen dafür geben, dass die Wirtschaftlichkeit Vorrang vor der Dezentralität der Angebote habe, sagt Schwidde. Der Fokus liege nicht auf den Orten, sondern bei den Weiterbildungsbedarfen der Menschen.

 

2004 wurden die Fördermittel um 180.000 Euro gekürzt. Kompensiert wurde das Defizit zum Teil mit Einnahmen durch Integrationskurse und den Offenen Ganztag. Sie habe immer darauf geachtet, dass ihr Haus technisch gut ausgestattet sei, betonte Schwidde. Aber bei den Kaffeetassen habe ihr der Investitionswille gefehlt. Dabei brachte sie auch Gebäude in Schuss. Das muss sie gut gemacht haben: 2009 erhielt sie die Daniel- Pöppelmann-Medaille für die Bewahrung Herforder Baukultur. Zudem blieb die Umlage stabil – inzwischen seit 24 Jahren.

 

Vorneweg ist die VHS seit 2009 in den Sozialen Medien, und das auch bundesweit. Damals begann sie zu twittern, 2011warsie beiFacebook,2012 bot sie ein erstes Webinar an. 2013 läutete sie das Ende der Kreidezeit ein, sprich: einen Unterricht ohne Tafel – und „Die virtuelle Volkshochschule“.

 

Der Bundesverband kam da nicht hinterher. Mit mehreren Kollegen anderer Volkshochschulen betrieb Schwidde deshalb Organisationsentwicklung für den Verband: Bei vielen überregionalen Veranstaltungen strahlte Herford so ins gesamte Bundesgebiet aus. Das ging so lange, bis 2015 die Flüchtlinge die VHS vor andere Herausforderungen stellten. Aber die Kompetenz blieb, und ermöglichte ihr in der Pandemie innerhalb kürzester Zeit auf Online-Kurse umzustellen.

 

Mit prominenten Referenten erreichte sie zudem die Menschen. Der Politik- und Islamwissenschaftler Michael Lüders sagte seinen Vortrag in Herford noch nicht einmal an dem Tag ab, als der frühere libysche Staatschef Gaddafi 2011 umgebracht wurde: Seine Live- Interviews fürs Fernsehen gab er aus Herford. Die VHS Herford hat eben – vor allem durch und dank Monika Schwidde – einen exzellenten Ruf.

 

NW, Kreis Herford, 19.11.2021, Ralf Bittner, Corina Lass

 

Foto: Ralf Bittner

Die Leiterin der Volkshochschule Herford, Monika Schwidde, geht zum Monatsende in den Ruhestand. In ihre Zeit fiel die Renovierung von Fluren und Treppenhaus, die den offenen Charakter der Einrichtung unterstreichen.

 

 

 

 

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