Bünder Köpfe mit Norbert Sahrhage

Bünder Köpfe mit Norbert Sahrhage 08.11.2022

Der Historiker, der Handball liebt und Krimis schreibt

Weitere Informationen zu den Vorträgen von Norbert Sahrhage finden Sie hier:

 

23-16000 – 9. Februar 2023, 19:30 Uhr Stadtbücherei Bünde

Bünder Köpfe

Von Unternehmerinnen und Unternehmern, Politikern und Männern der Kirche

 

23-16001 – 21. März 2023, 19:30 Uhr Stadtbücherei Bünde

Bünder Köpfe

Von Künstlern und Literaten, NS-Opfern, Verbrechern und weiteren bekannten Persönlichkeiten

 

Der Spenger Norbert Sahrhage ist Studiendirektor im Ruhestand, Übungsleiter, Western-Fan und leidenschaftlicher Sammler. Und: Er hat schon sechs Krimis veröffentlicht. Ein Porträt.

Spenge. „Mein früherer Lehrer.“ „Unser Übungsleiter.“ „Ein guter Handballspieler und -trainer.“ „Ich habe seine Krimis gelesen.“ „Ein Historiker, der die Geschichte der Region kritisch beleuchtet.“ „Sorgt für Informationen im Hallenheft des TuS Spenge.“ All das sind Aussagen über den Spenger Norbert Sahrhage, der auch im Alter von fast 71 Jahren alles andere als im Ruhestand und in Spenge wie Umgebung bekannt wie ein bunter Hund ist. Sahrhage hat viele Leidenschaften und geht denen nach wie vor nach – zuverlässig wie eh und je. Der Studiendirektor im – lediglich beruflichen – Ruhestand wurde in Spenge geboren und lebt hier auch heute noch, im Eigenheim an der Grenze zu Westerenger. Bei all seinen selbst auferlegten Aufgaben ist es schwer zu erkennen, wo seine besondere Liebe liegt. „Ich bin Sammler“, sagt der noch 70-Jährige verschmitzt und verweist auf einen schier unerschöpflichen Fundus. Kistenweise werden Fotos auf dem Dachboden gelagert, daneben sind all die Comic- Hefte, die der junge Norbert einst las und die es ihm heute immer noch angetan haben. Und es gibt all die DVDs mit Western – zu diesem Film- Genre hat er eine besondere Neigung – und all die Hallenhefte des TuS Spenge. Leidenschaft Handball Eine der ersten Leidenschaften des Norbert Sahrhage war der Handball. Als D-Jugendlicher begann er damit, in Spenge diesen Sport zu betreiben. Und er kann sich noch genau an das Training in der Werburger Halle erinnern, wobei zu Sahrhages aktiver Zeit Feldund Hallenhandball gleichzeitig betrieben wurden. Draußen war er im Angriff gesetzt, drinnen agierte er auf den Halbpositionen im Rückraum. Aber nicht immer blieb der Handballer Norbert Sahrhage dem TuS Spenge treu. „Zu meiner Studentenzeit habe ich unter Trainer Jochen Brinkhoff beim SuS Schröttinghausen gespielt, später auch noch beim BTW Bünde – da übrigens zum Teil mit meinen eigenen Schülern zusammen“, berichtet er. Die aktive Karriere beendete der Lehrer nach einem Bandscheibenvorfall. Dem Handball blieb er weiterhin treu: Nachdem das Ehepaar Sahrhage in Spenge gebaut hatte, fingen die Kinder an, den gleichen Sport wie zuvor ihr Vater zu betreiben. „Da habe ich angefangen, als Trainer zu arbeiten, und meine Söhne sportlich begleitet“, erinnert er sich. Zudem war Sahrhage „eigentlich schon immer“ als Zuschauer in der Halle, wenn der TuS Spenge spielte. „Mein Vater hat ja schon in dem Verein gespielt. Und selbst wenn wir eine Familienfeier hatten, ging er samstags für ein paar Stunden weg, um in Spenge zuzuschauen“, weiß der Historiker, der selbst an einigen Wochenenden vier bis fünf Spiele beobachtete. Seine Trainertätigkeit beendete er übrigens erst nach der Saison 2013/14. Als junger Mann studierte Sahrhage, wurde dann Lehrer für Geschichte, Sozialwissenschaften und Sport am Freiherr- vom-Stein-Gymnasium Bünde. Als Junglehrer promovierte er. „Diktatur und Demokratie in einer protestantischen Region – Stadt und Landkreis Herford 1929 bis 1953“, war der Titel seiner Dissertation. Da also kam schon der Historiker im Mann überdeutlich zum Vorschein. Wie er zum Krimi-Autor wurde Und dann fand Sahrhage beim Stöbern einen alten Hitler- Jugend-Ausweis eines Verwandten, der ihn erst zum Nachdenken brachte, dann zum Schreiben. 2010 erschien sein Roman „Der tote Hitlerjunge“, wobei dem Spenger da das Glück des Tüchtigen hold war, denn sein Manuskript hatte er an drei Verlage gesandt, von denen zwei gar nicht antworteten (was mehr oder weniger der Normalfall ist), während vom Bielefelder Pendragon- Verlag eine Zusage kam. Rund 3.000 Exemplare des Buches wurden verkauft. „Und ich hatte Blut geleckt“, sagt der Autor, der seinem Erstlingswerk fünf weitere Kriminalromane folgen ließ. „Blutiges Zeitspiel“ war bei den Handballern des TuS Spenge angesiedelt, „Lehrermord“, „Der Mordfall Franziska Spiegel“ (Sahrhages erfolgreichstes Buch), „Werwolfmorde?“ und „Kieslich muss sterben“ spielen allesamt in der Region und haben ebenso spannende wie zeitgeschichtlich- kritische Inhalte. Übrigens: „Der tote Hitlerjunge“ kostet heute als Taschenbuch 9,95 Euro – pro verkauftem Buch erhält dessen Verfasser rund 50 Cent. „Einmal im Jahr gibt’s eine Abrechnung“, berichtet er. Und der siebte Sahrhage-Krimi soll bald folgen. „Aber da bin ich noch in der Findungsphase“, sagt dessen künftiger Verfasser, der seine schriftstellerische Arbeit so schildert: „Im Kopf muss erst einmal die Rahmen- Handlung stehen. Während des Schreibens kommen dann neue, weitere Ideen.“ Zwischendurch stehen immer wieder Recherchen historischer Art an, auf die Sahrhage größtenteils lediglich bei seinem Handball-Krimi verzichten konnte – hier kannte er alle fiktiven wie wirklichen Personen genauso gut wie das Drumherum beim TuS Spenge. Doch es war nicht nur Prosa, die Sahrhage veröffentlichte. Er schrieb über die Bünder Stadtgeschichte, widmete dem TuS Spenge das Werk „Vom Handballdorf zur Handballstadt“, veröffentlichte vor zwei Jahren das Fanbuch TuS Spenge und wartet nun auf den für den November avisierten Verkaufsstart von „Bünder Köpfe“, in dem er Informationen über bekannte, aber bereits verstorbene Bünder bereitstellt. Neue Aufgaben Wer ohnehin viel schreibt, der wird auch gern bei ähnlichen Vorhaben eingebunden. Und als der inzwischen verstorbene Andreas Wölker seine Arbeit für das Hallenheft der Spenger Handballer beenden wollte, rief der TuS-Vorsitzende Horst Brinkmann an. Natürlich bei Norbert Sahrhage. 2015 war das. Seitdem hat er gemeinsam mit Jürgen Wildt für rund 100 Ausgaben des „Handball-Report“ gesorgt, mit Texten, Interviews, Tabellen und Fotos. Ein Bandscheibenvorfall hatte einst für das Ende der Handball-Karriere des promovierten Spengers gesorgt, irgendwann aber entschied der für sich, dass er auch selbst wieder Sport treiben wollte. Und so ging er zum „Volkssport“ des TuS Spenge, schloss sich den Trimmern an. „Weil ich mich bewegen wollte“, wie er selbst sagt. Und als Übungsleiter Albert Böhle diese Aufgabe nicht mehr wahrnehmen konnte, übernahm Sahrhage auch diese. Seit gut fünf Jahren steht er nun an fast jedem Montag mit 20 bis 25 älteren Herren in der Sporthalle – um sich zu bewegen. Irgendwie klingt das alles so, als seien all diese vielen Aufgaben gar nicht zu bewältigen. Aber Norbert Sahrhage findet noch weitere, kümmert sich seit zwei Jahren rund eineinhalb Stunden am Tag um Hund Theo („Er hat in einem meiner Romane eine Leiche gefunden“), spielt in unterschiedlicher Zusammensetzung Doppelkopf. Und er ist gern in der Sporthalle, denn Heimspiele des TuS Spenge verpasst der ehemalige Handballspieler und -trainer nur äußerst ungern. Die Gefahr, dass er dort für neue Aufgaben verpflichtet wird, besteht natürlich immer. Und: Nein-Sagen scheint dem Mann nicht zu liegen.

 

NW, 12.10.2022, von Dirk Kröger

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